Roth, Manfred

Manfred Roth, Jahrgang 1950, stand im Alter von 12 Jahren zum ersten Mal auf der Opernbühne seiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Bis es der Stimmbruch überhaupt nicht mehr zuließ, sang er eine Erscheinung in Verdis Macbeth. Und seither war die Schule nicht mehr das Wichtigste in seinem Leben. Für die nächsten 11 Jahre steht er in kleinen Kinderrollen, dann auch als Statist, im Bewegungschor weit über tausend Mal auf den Brettern der Städtischen Bühnen Frankfurt.


Nach dem Abitur, 1969, Studium der Anglistik und Germanistik an der Goethe-Universität in Frankfurt, abgeschlossen mit der Magisterprüfung 1975. Neben dem Studium sowohl Fluchtversuche vom Theater als auch mannigfache theatralische Aktivität: Straßentheater (Gruppe F.A.U.S.T.), Lehraufträge für das Studententheater am Englischen Seminar.

1975 lernt er Hansgeorg Mahler und seine Arbeit kennen. Mahler hatte kurz zuvor das Klappmaul Theater gegründet. Nach einer ersten Regie steigt Manfred Roth in diese Freie Theatergruppe ein und bleibt als Spieler, Regisseur, Autor bis 1984 Mitgesellschafter. In dieser Zeit entstanden 10 Produktionen, meistens Kinderstücke, mit und ohne Puppen. Herausragendes Projekt (und Gegendosis zum Kindertheater): 1980, eine zweifache szenische Umsetzung des Pierrot Lunaire von Schönberg als Auftragsproduktion für das Jugend-Festspieltreffen in Bayreuth.


Während der Jahre bei Klappmaul gleichzeitig Rollen und Regiearbeiten (Beckett Waiting for Godot, Shakespeare Hamlet) für die englischsprachige Theatergruppe Cardboard Clowns im Café-Theatre Frankfurt, Mitglied in der schwulen Theatergruppe Die Maintöchter (Schauspieler, Autor), weiterhin Lehraufträge und Regie am Englischen Seminar (von Lord Byron bis Woody Allen). Ab 1982 bis 2000 auch freier Mitarbeiter beim SWR-Fernsehen (früher SWF) als Schauspieler und Autor.


1984 verläßt Roth das Klappmaul Theater, und arbeitet seither als Regisseur und Darsteller für viele Freie Theatergruppen und Freie Produktionen (unterhaus, Mainz; Trotz-Alledem-Theater, Bielefeld; Theater im Wind, Braunschweig; Theater Fadenschein; Braunschweig; Theater Die Traumtänzer, Frankfurt) Vom Kinderstück bis Endgame von Beckett, vom Puppentheater bis zur Pantomime, vom Jugendtheater bis Borcherts Draußen vor der Tür, durchgehend abwechslungsreiche Regieaufträge.


Als Darsteller seit 1985 intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Regisseur Harald Weiss, in dessen Produktionen und Tourneen (Berliner Festwochen, Staatsoper Hannover, Nationaltheater Mannheim, Festival Theaterformen Braunschweig , Frankfurt Feste, Alte Oper Frankfurt) er viele reizvolle Rollen übernimmt.


Weitere wichtige Rollen unter Peter Ries in Tod dem Mondschein oder Gelbe Ohrfeigen?, eine Collage aus futuristischen italienischen Texten, Sprengel Museum Hannover (1992), als Faust (einer von dreien) in der Willy Praml Produktion Faust 1+2 zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Frankfurt in der Paulskirche, 1994.<p>

Ebenfalls 1994 erneute Regie für das Klappmaul Theater: Eva Demskis Roman Goldkind wird für die Bühne adaptiert.<p>

Ab 1995 beginnt eine doppelt glückliche Kooperation mit dem Klappmaul Theater und der Oper Frankfurt unter Sylvain Cambreling. 1995 Inszenierung der Puppenszenen in Webers Oberon (zusammen mit Michael Kloss), 1996 Karneval der Tiere nach Saint-Saëns, 1997 Geneviève de Brabant von Satie.


Nachdem Roth 1997 mit Studenten der Opernklasse der Hochschule für Musik Detmold Offenbachs Orpheus in der Unterwelt inszeniert hat, erhält er November 97 den Ruf auf die dortige, neu ausgeschriebene Professur für Szenischen Unterricht. Weitere Hochschulaufführungen: Dido und Aeneas von Purcell, Das Kind und der Zauberspuk von Ravel. Daneben 1998 Inszenierung Hallo, Dolly! am Landestheater Detmold.


Beim Carinthischen Sommer 2000 in Villach/Ossiach in Österreich wird im August 2000 die Oper Riese, Zwerge, Menschenfresser von Gerhard Schedl unter Roths Regie uraufgeführt.


Zuvor schon hatte Roth auf eigenen Wunsch die Professur in Detmold zugunsten freier Theaterarbeit wieder aufgegeben. Als Lehrbeauftragter – seit 2006 zum Honorarprofessor ernannt - bleibt er der Hochschule für Musik Detmold weiterhin verbunden; seither jährlich dort 2 bis 3 Inszenierungen: u.a. 2004 La Cenerentola von Rossini, 2005 La clemenza di Tito von Mozart, 2007 Apollo e Dafne von Händel mit Pimpinone von Telemann, Die vier Grobiane von Wolf-Ferrari, 2008 Das Medium / Das Telefon von Menotti, sowie La traviata von Verdi, 2009 Die Verlobung bei der Laterne / Der Regimentszauberer von Offenbach.<p>

Neben freien Produktionen für Theater XL, Basel und Figurentheater Fadenschein, Braunschweig, erarbeitet Roth seit 2001 als Gastdozent der University of Wisconsin-Madison im 2-Jahres Turnus Theaterproduktionen in deutscher Sprache: Herr Peter Squentz von Andreas Gryphius (zusammen mit Prof. Sabine Gross), 2003 Das Kontingent von Sören Voima. 2005 wird Roth für die Max-Kade-Stiftungs-Professur eingeladen und inszeniert in diesem Rahmen Der Vogelkopp von Albert Wendt; 2007 wieder als Gastdozent Horváths Glaube Liebe Hoffnung, 2009 Die fromme Helene nach Wilhelm Busch.


2004 und 2005 letzte Arbeiten für das Jugendtheater im unterhaus, Mainz: Fahrenheit 451 von Ray Bradbury und die Uraufführung von Verdammt positiv! von Michael Kloss.


In der freien Szene in Frankfurt ist Roth weiterhin aktiv: Mit dem Stalburg Theater, wird eine länger angelegte Co-Operation als Hausregisseur vereinbart: Bis heute entstanden dort 10 Inszenierungen verschiedenster Genres, nämlich Wer kocht, schießt nicht, Sperrmüll und Neumann nach Berlin von Michael Herl, Von oben ist die Welt so klein von Simone Jung und Michael Herl, Es ist ein Dschungel da draußen, Baby von Silke Hohmanneine Bühnenfassung des Edgar Wallace Films Das Gasthaus an der Themse, eine Bearbeitung der Johann Strauß Operette Wiener Blut sowie zwei Programme Familie Hesselbach. Seit 2006 tritt Roth dort auch mit einem eigenen Solo-Programm Reststrom wieder als Darsteller auf. 2009 kam unter seiner Leitung die Adaption des 50er-Jahre-Films Das Mädchen Rosemarie heraus.


Im selben Jahr inszenierte er zusammen mit Michael Kloss erstmals am Theater Freiburg: Webers Oberon.



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