Das Dreckrändchen
Die FNP über den STOFFEL 2010
Sie stemmen das Stoffel
40 000 Besucher werden in den kommenden vier Wochen erwartet, wenn beim Stalburg Offen Luft – kurz Stoffel – 60 Bands und Musiker, Schriftsteller und Kabarettisten auftreten.
Nordend. Das erste Stalburg Offen Luft, kurz Stoffel, im Günthersburgpark war 2004 ein echtes Wagnis. «Wir wussten überhaupt nicht, auf was wir uns da eingelassen hatten», erinnert sich der künstlerische Leiter des Theaters, Michael Herl. Mit 200 bis 500 Zuschauern sei am Premierentag kalkuliert worden, 3000 kamen schließlich. Und brachten auch ihn ins Schwitzen. Herl stand damals am Grill, brutzelte Bratwürste. «850 Stück waren es, 50 davon aber Ausschuss, sie waren viel zu kalt innen.»
Wurst nach Familienrezept
Den Job am Grill übernehmen bei der morgen beginnenden 7. Auflage des Kulturfestivals andere. Die Bratwürste sind aber noch im Programm – extra für das Festival nach einem Rezept von Herls Großonkel aus der Pfalz hergestellt. Nur Thomas Meyer, der die Wurst aus Biofleisch produziert, kennt die Gewürzmischung. Die hütet Herl, verrät aber, dass etwas Thymian eine besondere Geschmacksnote verleiht. Für zwei Euro wird die Spezialität im Brötchen verkauft.
Ein fairer Preis wie Petra Gisman, neben Herl und Herbert Huber eine von drei Geschäftsführerinnen im Stalburg Theater und zuständig für Marketing und Sponsoring, findet. Niedrige Preise seien wichtig, ansonsten könnten viele nicht mit Kind und Kegel vorbeischauen. Und so ist natürlich der Eintritt wieder frei, Besucher werden aber um Spenden gebeten. Am Ende wird das Geld unter der Künstlern verteilt. Mit 10 000 Euro unterstützt die Stadt übrigens in diesem Jahr das Festival. Der Betrag wurde etwas aufgestockt.
Dass die Veranstalter ihnen keine Gage festschreiben, stört die Künstler nicht. Im Gegenteil. Sie reißen sie sich darum, dabei sein zu dürfen. «Wir hätten bis März durchspielen können, so viele Bewerbungen haben wir bekommen», freut sich Herl. Entsprechend erlesen ist das Künstlerfeld nach Ansicht von Gismann auch. Herausstellen will sie aber niemanden. «Die sind alle klasse», sagt sie.
Allerdings sind 2010 weniger Lesungen dabei. «Wir sind ja auch kein Literaturfestival», meint Herl in seiner bekannt trockenen Art. Jan Seghers etwa kommt am Montag, 19. Juli, um 19 Uhr und liest aus «Die Akte Rosenherz», und natürlich sorgt die Taskforce der Satirezeitung «Titanic» am Freitag, 23. Juli ab 19 Uhr für Lacher.
Nachwuchs wird gefördert
Musik gibt es in fast allen Stilrichtungen – von Soul über Funk, Jazz, Rock und Blues ist alles dabei. Voll ist der Günthersburgpark sicher beim Auftritt von «The Mazers», Dreiviertel der Originalbesetzung der «U-Bahn-Kontrollöre». Deren Vorgruppe «Jakob & Johnny» sind die jüngsten Musiker, die je bei Stoffel auftraten. Die beiden Zwölfjährigen heizen dem Publikum mit AC/ DC ein. Jakob hatte, so Gismann, im vergangenen Jahr gebettelt, 2010 auftreten zu dürfen. Nachdem sie ein Demoband der beiden gehört hatte, war sie absolut begeistert. «Jakob & Johnny» können gleich die neue Bühne testen. Diese ist genauso groß wie die alte, aber standfester. Denn bei starkem Wind wackelte diese bedenklich.
Das Interesse an dem europaweit einmaligen Festival ist groß. Besucher reisen dafür mittlerweile aus ganz Deutschland an. Und allein 36 000 Zugriffe auf seine registrierte das Stalburg Theater am Dienstag. Viele Eltern werden sicher auch nach dem Kinderprogramm, dem Stoffelchen, gesucht haben. Laut Gisman wurde es ausgebaut. Immer donnerstags und sonntags ist Kinderstunde im Park.
Vom 16. Juli bis 15. August ist täglich ab 17 Uhr, bei Kinderprogramm schon ab 16 Uhr, Programm im Günthersburgpark. Der Eintritt ist frei. Infos unter http://www.stalburg.de.
Donnerstag, den 15. Juli 2010


