Die Bettleroper
Die FAS über die Titanic Taskforce und anderes beim STOFFEL
Auf eigene Gefahr
Da kann das Unwetter sich warm anziehen: Die "Titanic-Taskforce" tritt bei "Stoffel", dem Freilichtfestival des Stalburg Theaters, im Frankfurter Günthersburgpark auf.
Der Gastgeber war beinahe schon ein wenig ungehalten. "Das ist kein Spaß jetzt." Dabei ist er sonst ein wirklich netter, ja herzensguter Mann. Doch wenn sich etwas zusammenbraut über der alljährlichen Sommerbühne seines Theaters im Frankfurter Günthersburgpark, dann ist Michael Herl im Zweifelsfalle dran. Soll heißen: "Von jetzt an", warnte der Erfinder des "Stoffel" genannten Festivals "Stalburg Theater offen Luft" sein Publikum, "von jetzt an sind Sie hier auf eigene Gefahr!" Und wieder mussten die einen oder anderen herzhaft lachen.
Weniger freilich, weil sie die Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor dem für Freitagabend angekündigten Orkan nicht ernst genommen hätten. Im Gegenteil - so mancher vor und abseits der Bühne packte auf den Inselchen aus Decken und Picknickkörben im weiten Park seine sieben Sachen und suchte statt der Kunst doch lieber das Weite.
Für den Auftritt der drei Männer von der "Titanic-Taskforce" indes gilt das mit dem "Besuch auf eigene Gefahr" seit jeher. Schließlich hat man beim "Endgültigen Satiremagazin" und offiziellen Parteiorgan der Partei "Die Partei" schon seit Neuen Frankfurter Schulzeiten eine im besten Sinn eigene Humorkultur entwickelt. Leo Fischer, Mark-Stefan Tietze und Michael Ziegelwagner, ohnehin "immer zur Stelle, wenn irgendwo ein Baum gefällt, ein Sohn gezeugt oder ein Bier ausgetrunken werden muss", ließen sich denn auch nicht lange bitten.
"Wenn Sie nur ein bisschen Mumm in den Knochen haben, dann sollten Sie bleiben." Den Mumm - gute Nerven und einen Sinn für politisch unkorrekten bis geschmacklosen Humor einmal vorausgesetzt - brauchte man dann auch. Etwa bei der hochkomischen Satire auf den häuslichen Alltag der Patchworkfamilie des neuen Bundespräsidenten ("Nein, diese Wulffs"). Oder bei der in bestem Rassistendeutsch verfassten Reportage aus den ehemaligen deutschen Kolonien, vulgo: Offenbach, erst recht jedoch angesichts von Tietzes dem Verteidigungsminister auf den schwarzen Anzug geschriebenen "Trauerrede auf gefallene Soldaten", die im September noch den Deutschen Presserat beschäftigen wird.
Kurzum: Auf der "Titanic" war an diesem denkwürdigen Abend wieder schwer was los. Zwar blieben Besatzung und Passagiere von "Krankheit, Tod, Verderben", die Fischer gleich zu Beginn vorsorglich noch einmal angekündigt hatte, am Ende weitgehend verschont. Und selbst das schwere Wetter, vor dem die Herren Wetterfrösche und Theatermacher Herl gewarnt hatten, blieb wohl größtenteils im Taunus hängen, wo es hingehört.
Es war, als sei "Die Partei", bei "Stoffel" nur mit einem geradezu bescheiden zu nennenden Infostand vertreten, auch jenseits der "Titanic" schon an der Macht. Schließlich ist im satirischen Parteiprogramm nicht nur von "einer hübschen Mauer in Deutschland" die Rede. "Wir", so Fischer, "treten auch für die Abschaffung von Unwettern ein". Das nennt man dann im Bundestag schon mal ein nicht gehaltenes Wahlversprechen. Und doch hat "Die Partei" bei "Stoffel" zweifelsohne Wort gehalten. Orkane, Hagelschlag und andere Unbill über Frankfurt können sich in der "Partei"-Zukunft schon mal warm anziehen.
Christoph Schütte, Sonntag, 25. Juli 2010

