Anne Bärenz, † 26. August 2005

Anne BärenzSie war eine Künstlerin der ersten Stunde unseres Theaters. War von Anfang an dabei, selbst als wir noch keinen berühmten Namen hatten und nur wenige Zuschauer. Sie half  zusammen mit Frank Wolff, das Stalburg Theater zu dem zu machen, was es heute ist. Unzählige Male saß Anne draußen in der Gaststube am Ofen, verspachtelte ein Rippchen mit Kraut, trank einen Schoppen und hielt in ihrer trockenen, humorvollen Art auch mit Kritik an unserem Tun und Treiben nicht hinterm Berg. Uns war´s recht, wir profitierten arg von den Ratschlägen einer Künstlerin und einem Menschen wie Anne Bärenz.

So ergab es sich, daß Anne und Frank sich immer wieder etwas Besonderes für unser Theater einfallen ließen. Ob die Reihe anläßlich des 25jährigen Bühnenjubiläums der beiden, ob das Miteinander mit Dieter Thomas und Hendrike von Sydow (das es so noch nie gab), ob die Geburtstagsgala anläßlich unseres Fünfjährigen vor knapp zwei Jahren, ob die sensationellen Vorweihnachtsabende mit “Erna, der Baum nadelt” mit Pit Knorr und Robert Gernhardt, ob die geniale Premiere von “In mir erwacht das Tier!” mit F.W. Bernstein, ob die zahllosen und immer wieder tollen Auftritte als Frankfurter Schulorchester mit Sabine Fischmann, Ali Neander und Markus Neumeyer und vielen anderen, ob, ob, ob. So viele wunderbare Abende durften wir mit Anne verleben.

Für den Sommer beim STOFFEL im Park hätte es schon wieder was Feines geben sollen, doch da kam ihr schon der Krebs in die Quere. Einmal hat sie uns besucht im Park, zwischen zwei Operationen und nur eine Viertelstunde lang. Doch immerhin, es reichte für eine Bratwurst und ein paar Witzchen. Es reichte nicht für einen gebührenden Abschied – denn wie hätten wir wissen können, daß wir an diesem Abend unsere Anne Bärenz das letzte Mal gesehen haben sollten.

Es ist ein Elend ohne sie, es macht uns gleichermaßen traurig wie wütend. Doch was hilft´s. “Play On” hieß ein Programm, daß Anne und Frank oft bei uns gaben. Und ja, wir spielen weiter. Auch, wenn mit Anne Bärenz ein großes Stück unseres Theaters gegangen ist. Und: Wir wünschen Frank Wolff eine Kraft. Und wir werden ihm immer eine künstlerische und menschliche Heimat sein. Und was uns besonders freut: Frank hat die beiden mit Anne bei uns geplanten Termine am 16. und 17. September nicht abgesagt, sondern er wird das wunderschöne Soloprogramm “Mein blaues Cello” spielen, aus gegebenem Anlaß aktualisiert. Es soll ihm und Ihnen und uns zur Erbauung gereichen.

Michael Herl, im September 2005