Erika Mann – Unterwegs an allen Fronten

Jule Richter

Erika Julia Hedwig Mann (* 9. November 1905 in München, † 27. August 1969 in Zürich) war Schauspielerin, Kabarettistin, Schriftstellerin und Lektorin. Überdies älteste Tochter von Thomas Mann, Schwester von Klaus Mann, zeitweilige Gattin von Gustav Gründgens und W.H. Auden. Als unermüdliche Kämpferin gegen den Nationalsozialismus hat sie ein umfangreiches Werk aus politischen Essays, Reportagen, Reisenberichten und Kinderbüchern hinterlassen.

„Unterwegs an allen Fronten“ erzählt anhand dieser Hinterlassenschaft, also in den ureigensten Worten der umtriebigen Frau, ihre Geschichte. In den zu einem großen Monolog zusammengestellten Briefen, Glossen, Zeitungsartikeln, Gedichten und Kabarettexten entfaltet sich das Leben Erika Manns; angefangen mit der als Kind gegründeten Theatertruppe zu Schauspielstudium, Weltreise und Kabarettgründung, über die Flucht vor den Nazis, Journalismus- und Vortragsreisetätigkeit in England und Amerika bis zur Nachlaßverwaltung von Thomas und Klaus Mann, Krankheit und Tod. Ein Leben, das vor allem ein permanenter Kampf für die eigenen Überzeugungen und Ideale war. Ein Leben des ständigen Unterwegs-Seins. Sei es anfangs aus Abenteuerlust (Weltreise mit dem Bruder Klaus), später aus Notwendigkeit (Flucht vor dem Nationalsozialismus) und letzten Endes aus dem Zwang heraus, überall dort zu sein wo man etwas verändern bzw. wo man kämpfen muß.

Dieses „Reisen“ bildet den inszenatorischen Rahmen des Stückes. Erika Mann ist auf Vortragsreise in den USA unterwegs. Sie ist „gestrandet“, irgendwo auf einem Bahnhof in „the middle of nowhere“. Die Bühne ist leer. Sie wartet. Sie ist vor einer Reise, nach einer Reise, auf der Reise. Ein Bild bringt einen Erinnerungsprozess in Gang, der sich immer mehr verselbständigt, angetrieben durch alle möglichen Dinge: ein Koffer voll mit Briefen, der Hut, der fast vergessen wird, der Ausweis, den sie für die Paßkontrolle sucht. Die leere Bühne wird vom Bahnsteig zum Hotelzimmer, zur neuen leeren Wohnung, zum Klassenzimmer für Vorträge. Das Publikum wird auf diese Reisen mitgenommen und verwandelt sich adäquat: vom ebenfalls auf den Zug wartenden Reisenden zum Kabarettpublikum, zur Fangemeinde des Vaters, zur amerikanischen und deutschen Bevölkerung.

„Unterwegs an allen Fronten“ erzählt mal tragisch, mal komisch die Geschichte einer Frau, die die Fähigkeit besaß, immer wieder von vorn beginnen zu können, zu wollen und zu müssen, sich von nichts und niemanden unterkriegen zu lassen und immer, immer, immer für das zu kämpfen, was ihr als „richtig und wahr“ erschien.

Mehr als gelungen brachte die Protagonistin anhand von Auszügen aus dem „Programm des Kabaretts Pfeffermühle“ und verschiedener Briefwechsel die hartnäckig verfolgten Prinzipien „Wahrheit, Ehre, Anstand, Freiheit und Toleranz“ der gebürtigen Münchnerin nahe. Richter verstand es mit Leichtigkeit, den gelebten Enthusiasmus der Dichterin zu beschreiben. Sie hätte Erika Mann in Person sein können, so authentisch spielte und sah Richter der politisch engagierten Frau ähnlich. (Corinna Neuer, Badische Neueste Nachrichten)

Schauspielerin Jule Richter von der Badischen Landesbühne hat am Samstagabend im Knittlinger Steinhaus die Autorin, Schauspielerin und Journalistin Erika Mann vorgestellt. (...) Jule Richter schaffte es in ihrer Aufführung auch ohne großen Aufwand, die auch in schwierigen Zeiten von unerschütterlichem Optimismus bestimmte Persönlichkeit von Erika Mann herauszuarbeiten. (Volker Henkel, Mühlacker Tagblatt).

Nach Texten von Erika Mann erschienen im Rowohlt-Verlag.

Regie: Karsten Morschett

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