Lesung und Singung – Ein Ex-U-Bahnkontrollör auf Solopfaden

Matthias Keller

„Mein Haus, mein Auto, meine Frau" – Matthias Keller verfällt nicht diesem Macho- Konkurrenzwahn, sondern spielt seine Trümpfe gleichwohl bescheidener aus: Ein Tisch, ein Stuhl, ein Mikrophon. Und als Sahnehäubchen dann noch eine Gitarre und ein E- Piano (ein Flügel darfs auch gern sein). Das muss genügen für seine „Lesung & Singung“, bei der die Inhalte schwerer wiegen als die Verpackung, aber trotzdem noch so leicht daher kommen, dass das Publikum gerne, viel und spontan schmunzelt wenn ihm nicht gerade das Lachen auch mal im Halse stecken bleibt.

„Ich bin das kleine Arthousekino in der Seitenstraße, nicht das Popcorn-Cineplex im Zentrum“, sagt dann auch Matthias Keller beim selbstbewussten Abgrenzen gegen die längst stadionkompatible, laute, aggressive, aktuelle Dicke-Hosen-Comedy oder klassisches Blödelbardentum. Keller hat eher den Humor eines Kabarettisten. Spötter auf hohem Niveau, auch Sprachphantastiker ist er. Skurriles und Absurdes findet sich in seinem Sprachwitz, den Assoziationen, den Reimen. Sein Tun lässt Namen wie Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner und Loriot auf den Plan treten. Neben der Lesung spielt die Singung eine gleichberechtigte Rolle bei Matthias Keller. Schließlich hatte der schon neun Jahre als Bass-Bariton in der erfolgreichen A cappella-Gruppe U- Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern auf dem breiten Buckel, bevor er sich noch den Luxus des Solisten gönnte.

Für die Musik gilt: Erlaubt ist was gefällt, sich parodieren lässt, die Botschaft voran bringt oder konterkariert. „Auf den Bruch kommt es an“ erkannte die Rezensentin der FAZ schon 2006. „Ich singe von banalen Alltagssituationen, die durch Unvorhergesehenes aufgebrochen werden“, kommentiert Keller sein „Spaß-Ernst-Liebe"-Prinzip. Einen, der humorvoll mit Katastrophen umgeht, dem zudem souverän die Balance zwischen Humor und Melancholie gelingt und das als gutes Entertainment verpackt, den braucht der Mensch zu jeder Zeit. Und Improvisation als Bonus erweist sich immer auch als probates Mittel, die Interaktion mit den Besuchern im Saal noch zu steigern, jeden Abend individuell zu gestalten und ihm einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Allein bleibt Keller also nie. Auch nicht ohne Spielgefährten. Dank „technischer Spielerei“ wie er den Einsatz von Loops gerne umschreibt. Eine Stimme zaubert – dank kleiner Hilfsmittel – ein Orchester. Wahlweise erklingt eine Balkan Brass Band oder ein tibetanischer Mönchschor, die Glocken sämtlicher deutscher Dome und Kathedralen läuten gleichzeitig oder dem Publikum wird zum Konzertabschluss ein Feuerwerk gegönnt – als wäre jeder Abend Silvester. Die moderne Technik würde aber nicht greifen, wäre da nicht Kellers größtes Kapital – seine Stimme. Mit der arbeitet er seit Jahren, auch in der Werbung oder seit Sommer 2009 als Station Voice bei hr1. Da lobt man immer den angenehmen, sonoren Klang: Bei der „Lesung & Singung“ kann man dann geradezu körperlich erfahren, welch beeindruckende Facetten und welches Ausdruckspotential diese Stimme darüber hinaus noch hat und zu welchem Rollenspiel Keller fähig ist.

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Nächste Termine

So, 26.02.2012, 20:00 Uhr, Ort: Stalburg Theater
Di, 08.05.2012, 20:00 Uhr, Ort: Stalburg Theater


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