Staatsfeind Nr. 11
Mathias Tretter
Tretter ist mittlerweile einer der großen deutschen Kabarettisten und in allen maßgeblichen Fernsehsendungen wie "Neues aus der Anstalt", "Scheibenwischer", "Mitternachtsspitzen" oder "Ottis Schlachthof" Dauergast. In Hessen kennt man ihn aus dem Radio, wo er jeweils sonntags im Rahmender hr2-Sendung "Kulturfrühstück" (9.05 Uhr bis 10Uhr) böse-besinnlich feixend die Themen der zurückliegenden Woche kommentiert.
Im Stalburg Theater war Mathias Tretter schon vor vielen Jahren Dauergast, als ihn noch kaum jemand kannte. Wir hielten ihm die Treue, und es hat sich gelohnt. Umso mehr ist es uns deswegen eine Ehre, ihn mit seinem neuen Programm begrüßen zu dürfen. Wir sind sehr gespannt. Und darum geht es:
Tretters drittes Programm. Er hat bereits den Bayerischen Kabarettpreis für Newcomer gewonnen was soll jetzt noch kommen? Noch einmal etwas ganz anderes machen!, davon träumt jeder arrivierte Künstler. Doch es hat nicht sollen sein. Eigentlich als Edith-Piaf-Revue geplant, wurden die Proben zu diesem Abend von den politischen Ereignissen überrumpelt: Darf man nach der Wiedervereinigung noch "Je ne regrette rien" singen? Angesichts der aktuellen Bedrohungslage hat sich Mathias Tretter kurzfristig entschieden umzuschreiben. Kabarett ist die Kunst der Stunde. Ein Keller, eine Bühne, ein Mann, der nicht singt was wäre besser geeignet, dem globalen Wahnsinn Einhalt zu gebieten?
Aber eines gleich vorweg: Wenn Sie komödiantische Unterhaltung auf der Höhe des Mainstreams suchen, dann sind Sie hier falsch. Hitler kommt nicht vor. Angela Merkel hat höchstens einen Kurzauftritt, und Kurt Beck fällt hinten runter. Denn es geht um Politik. Deutschland steht vor der Frage: Ist die Demokratie noch zu retten, oder etabliert sich das Fünf-Parteien-System? Bekommen wir italienische Verhältnisse? Oder bleibt die Spree von versenkten SPD-Abtrünnigen verschont? Und falls nicht: Wer zahlt für die Verschmutzungsrechte?
Die Antworten wären längst gefunden, gäbe es nicht unsere historische Schuld. Bleischwer lastet die Vergangenheit noch auf den Nachgeborenen der Nachgeborenen. Auch wenn der Aufschrei in den Feuilletons schon jetzt zu hören ist, Mathias Tretter traut sich, an unser größtes Tabu zu rühren: Es ist Zeit für einen Schlussstrich!, sagt er. Tausend Jahre '68 sind genug!
Sein neues Programm Staatsfeind Nr. 11 ist eine furchtlose Konfrontation mit dieser und neun weiteren Plagen, die Deutschland bedrohen. Sex, Drogen, Pomerol, der Gegensatz von Ostdeutschland und Süddeutschland, Chinesen, die Deutsche Post und andere gelbe Säcke, Berlin, Brüssel, Daheim und Vorgestern. Bis es zum Showdown kommt, mit einer Nummer Elf, mit der Sie nicht gerechnet hätten (*Isch bereuö nischts.)
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Fotos: Inka Meyer
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